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Krisenbegleitung

Krisenbegleitung - Dr. med. Susanne Hofmeister - Heidelberg„Krise bedeutet: Entscheidung, Streit, Scheidung, Urteil. Sie bezeichnet den Höhepunkt, den Wendepunkt, den Umschlagpunkt eines Geschehens. Sie ist Ausdruck für die Zuspitzung innerhalb eines Veränderungsprozesses.“ (1)

»In welchem Moment und bei welcher Tätigkeit Ihres Alltags waren Sie das letzte Mal glücklich?«, so lautet eine der ersten Fragen in der psychotherapeutischen Begleitung durch eine Lebenskrise. Oft müssen wir lange überlegen, ehe uns eine Antwort einfällt. Danach werden wir nachdenklich, wenn das Erlebnis, an das wir uns erinnern, entweder schon sehr lange her ist oder aber mit unserem täglichen Leben überhaupt nichts zu tun hat. Ja, und dann fällt uns noch ein, dass wir als Kinder oder Jugendliche eine genaue Vorstellung von unserem Leben gehabt haben. Wann haben wir den Anschluss an uns und unseren Lebensfaden verloren? (2)

Krisen gehören zum Leben des modernen Menschen dazu. Der Gehirnphysiologe Gerald Hüther berichtet, dass wir in einer Krise an die Wand fahren müssen, ehe wir bereit sind, neue Wege zu probieren. Erst wenn wir mit allen vorhandenen alten Strategien wirklich nicht mehr weiterkommen, ist neues Lernen möglich! Wir können uns die alten, gewohnten Muster in unserem Gehirn wie Autobahnen mit großen Auffahrten vorstellen. Es braucht nur eine gewisse Situation aufzutreten und reaktiv fahren wir auf den entsprechenden Zubringer. Jeder von uns kennt das. Alle Auffahrten müssen blockiert sein, bevor wir jenseits der alten Verhaltensweisen nach neuen Wegen suchen. (2)

Die Biografiearbeit ermöglicht uns, die Zusammenhänge in unserem Leben zu verstehen und die Chancen, die gerade auch in den schweren Passagen unseres Lebensliegen, zu begreifen, in Fähigkeiten zu verwandeln und für unsere Lebensaufgabe in der Zukunft zu nutzen.
„Die Nachbereitung einer Krise ist die beste Krisenprophylaxe. Wenn wir uns bewusst machen, wodurch es uns gelungen ist, die bisherigen Krisen in unserem Leben zu bewältigen, wachsen unsere Fähigkeiten im Umgang mit einer zukünftigen Krise.“ (1) Nach einer überstandenen Krise ist es daher wichtig die Krisenbewältigungsfähigkeiten genau zu formulieren, damit wir diese Strategien und Ressourcen bei einer nächsten Krise unmittelbar zur Verfügung haben. Vielleicht gelingt es uns damit, die Krise abzukürzen oder abzuschwächen, da wir geübt sind ihren tieferen  Sinn zu verstehen.

(2) Dr. med. Susanne Hofmeister, WOHIN, GU-Verlag 2014, Seite 11
(1) Dorothea Rahm, „Der schöpferische Sprung“